Dynamische Stromtarife 2026:
Was sich ändert — und warum
Solargemeinschaften jetzt gewinnen.
Ab 2026 dürfen Netzbetreiber Strom teurer machen, wenn alle gleichzeitig brauchen. Kein Netzbetreiber hat es bisher eingeführt. Aber es kommt. Wer jetzt einer Solargemeinschaft beitritt, ist strukturell geschützt — egal was der Tarif kostet.
Stell dir vor, dein Strom kostet morgens um 7 Uhr das Doppelte wie nachts um 3. Und du weisst das erst am Abend vorher. So funktioniert ein vollständig dynamischer Stromtarif. Klingt unfair? Aus Netzperspektive macht es Sinn. Aus Konsumentenperspektive: Es kommt darauf an, wo dein Strom herkommt.
Ab 2026 können Schweizer Netzbetreiber erstmals umfassende dynamische Netzentgelte einführen. Noch hat es niemand gemacht. Aber die gesetzliche Grundlage ist da — und die Anreize werden grösser, je mehr Wärmepumpen und Elektroautos ans Netz kommen. Um das Gesamtbild der Schweizer Strompreise 2026 zu verstehen, lies unsere Preisübersicht. Dieser Artikel erklärt, was das ist, wer betroffen sein wird, und warum du als LEG-Mitglied heute schon die richtige Entscheidung getroffen hast.
Was «dynamischer Tarif» wirklich bedeutet
Heute zahlst du für jede Kilowattstunde Strom ungefähr gleich viel — egal ob du sie nachts um 3 oder montags um 8 verbrauchst. Das Netz wird so kalkuliert, als würde der Maximalverbrauch immer stattfinden. Alle zahlen dafür. Auch die, die kaum Strom im Stosszeiten verbrauchen.
Das ändert sich mit dynamischen Tarifen. Der Gedanke: Wenn viele Leute gleichzeitig Strom brauchen — und gleichzeitig das Netz belasten — sollte das höhere Kosten verursachen. Wer seinen Verbrauch verlagert (Geschirrspüler nachts, Elektroauto am Wochenende), zahlt weniger. Wer zur Stosszeit verbraucht: mehr.
Es gibt zwei Arten von dynamischen Tarifen: Netzentgelte (was du fürs Leitungsnetz zahlst) und Energiepreise (was die Energie selbst kostet). Unser Rechnungs-Decoder erklärt diese Komponenten im Detail. Das Gesetz erlaubt ab 2026 dynamische Netzentgelte. Bei der Energie bestimmen die Versorger. Beides kann zusammen variieren — und bei manchen Anbietern passiert das bereits.
Warum das Netz diesen Wandel braucht
Die Schweiz elektrifiziert sich. Wärmepumpen ersetzen Ölheizungen. Elektroautos ersetzen Verbrenner. Die Schweiz elektrifiziert sich schnell. An kalten Winterabenden, wenn alle gleichzeitig Wärmepumpe und Elektroauto betreiben, steigt die lokale Netzlast auf Werte, für die das heutige Netz nicht ausgelegt ist.
Zwei Möglichkeiten: Das Netz massiv ausbauen — teuer, dauert Jahre. Oder den Verbrauch steuern, damit die Last weniger extrem ausfällt. Dynamische Tarife sind das Instrument für Letzteres. Das ist keine Theorie, das ist europäische Energiepolitik — und das Stromabkommen Schweiz–EU unterstreicht diese Richtung.
Ab 2026 müssen dynamische Tarife mit Standard-Lastprofilen vergleichbar sein — du kannst nicht gezwungen werden, auf einen unvorteilhaften Tarif zu wechseln. Aber die Option existiert, und Anreize für freiwilligen Wechsel werden wachsen.
«Wer steuert, wann er Strom braucht, zahlt weniger. Wer es nicht kann — zahlt mehr. LEG-Mitglieder haben die dritte Option: Sie beziehen lokalen Solarstrom, wenn die Sonne scheint.»
Was ab Mitte 2026 zusätzlich passiert — der Spotmarkt-Wechsel
Wer ist stärker betroffen — wer weniger?
Wie das für deinen Haushalt konkret aussieht
Was der Netzrabatt in der Praxis schützt
Ein Aspekt wird oft vergessen: Der 20–40%-Netzrabatt in der LEG ist nicht nur eine Ersparnis. Er ist auch ein struktureller Schutz gegen dynamische Netzentgelte.
Wenn Netzbetreiber künftig dynamische Netzentgelte einführen — teurer zur Spitzenstunde, günstiger nachts — wirkt der LEG-Rabatt auf den gesamten lokalen Anteil, unabhängig von der Tageszeit. Das bedeutet: Der Solarstrom, den du aus der Gemeinschaft beziehst, kostet auch in der Spitzenstunde keinen dynamischen Aufschlag auf den Netzanteil. Du zahlst den LEG-Preis — nicht den dynamischen Normaltarif.
Dynamische Tarife bestrafen unflexiblen Verbrauch zur Spitzenzeit. LEG-Mitglieder beziehen zur Mittagszeit Solarstrom — genau dann, wenn Netzstrom ohnehin günstig wäre. Der LEG-Rabatt macht den Schutz noch stärker.
Kurz: Wer einer Solargemeinschaft beitritt, ist strukturell im Vorteil gegenüber dynamischen Tarifen — für den Solaranteil. Das Netz zahlst du weiterhin, aber mit Rabatt.
Was du jetzt konkret tun kannst
Du musst nicht auf dynamische Tarife warten, um zu handeln. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt — nicht weil Panik angebracht ist, sondern weil die LEG heute Gesetz ist und die Einsparungen sofort beginnen.
Was sich bis Ende 2026 noch verändert
Das Energiejahr 2026 ist kein Ende — es ist ein Umbruch. Neben den dynamischen Netzentgelten und dem Spotmarkt-Wechsel bei Feed-in kommen noch weitere Änderungen, die du im Auge behalten solltest.
Spotmarkt-Wechsel Feed-in: Ab Mitte 2026 stündliche Vergütung statt vierteljährlichem Referenzmarktpreis. Wichtig für Produzenten in und ausserhalb von LEGs.
Winterstrombonus: Neue Anlagen ab 100 kW erhalten Bonus für Winter-Ertrag über 500 kWh/kW — zusätzlicher Anreiz für alpine Solaranlagen.
70%-Einspeise-Limit: Ab 2026 national gesetzlich vorgeschrieben für neue Anlagen — kein Ermessen der Netzbetreiber. Stärkerer Anreiz für lokalen Verbrauch und damit für LEGs.
All das zeigt in dieselbe Richtung: Lokaler Verbrauch wird wertvoller. Einspeisung wird weniger attraktiv. Die LEG ist seit April 2026 live — sie ist die Gegenwart, die diese Zukunft schon antizipiert.
Dynamische Tarife kommen.
Deine Einsparung auch.
Berechne jetzt, was die Solargemeinschaft in deiner Gemeinde kostet — und was sie spart. Bevor die Tarife sich ändern.