Die ersten lokalen Energiegemeinschaften gehen live. Was passiert jetzt wirklich?
Seit Januar konnte man sich anmelden. Seit April können die ersten Gemeinschaften tatsächlich Solarstrom lokal handeln. Wenn du registriert bist oder es vorhast — hier steht, was auf dich zukommt: die erste Rechnung, der 40%-Rabatt in CHF, und was passiert wenn die Sonne nicht scheint.
Upgrid EditorialApril 20268 Min. Lesezeit
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Für wen ist dieser Artikel? Für alle, die einer LEG beigetreten sind oder es planen — und verstehen wollen, wie die Abrechnung in der Praxis funktioniert. Keine Theorie, keine Hochglanz-Broschüre. Nur was du tatsächlich wissen musst.
Am 1. Januar 2026 öffnete die Anmeldung. Aber «Anmeldung offen» bedeutete nicht «Strom fliesst». Das Gesetz schreibt eine dreimonatige Aufbauzeit vor — Zeit, um Smart Meter zu installieren, Messkonzepte zu validieren, Abrechnungssysteme einzurichten. Erst jetzt, im April, können die allerersten Gemeinschaften tatsächlich Solarstrom lokal handeln — unter dem .
Das ist kein bürokratisches Detail. Es ist der Moment, auf den du gewartet hast.
3
Monate Aufbauzeit gesetzlich vorgesehen — von der Anmeldung bis zur ersten Aktivierung. Wer sich im Januar angemeldet hat, kann im April starten. Wer jetzt anmeldet: frühestens Juli 2026.
Wie der Startschuss abläuft — Schritt für Schritt
Bevor der erste Solarstrom durch die LEG fliesst, passieren hinter den Kulissen einige Dinge. Nicht kompliziert — aber wichtig zu verstehen, damit du weisst, warum es die drei Monate braucht.
1.
Schritt 1 — ab 1. Januar 2026
Anmeldung beim Netzbetreiber
Die LEG-Vertretung (in deinem Fall: Upgrid) reicht die vollständige Anmeldung ein. Alle Teilnehmenden sind bekannt, Messpunktnummern sind hinterlegt. Ab diesem Moment startet die gesetzliche Prüfungsfrist.
2.
Schritt 2 — Wochen 1–10
Smart Meter Installation & Prüfung
Falls noch nicht vorhanden, installiert der Netzbetreiber intelligente Messgeräte bei allen Teilnehmenden. Das ist Pflicht: ohne Smart Meter keine LEG. Die Messung in 15-Minuten-Intervallen ist die technische Grundlage für die faire Aufteilung des Solarstroms.
3.
Schritt 3 — Wochen 10–12
Systemintegration & Testlauf
Die Messdaten laufen über den standardisierten Datenaustausch SDAT Schweiz. Upgrid integriert die Daten in das Abrechnungssystem, validiert die Zuordnung, stellt sicher, dass Produktion und Verbrauch korrekt gegenübergestellt werden.
4.
Schritt 4 — April 2026 JETZT
Aktivierung — die LEG startet
Aktivierung immer auf den ersten eines Monats. Der erste Solarstrom fliesst offiziell innerhalb der Gemeinschaft. Ab jetzt gibt es eine LEG-Abrechnung — zusätzlich zur gewohnten Netzrechnung.
5.
Schritt 5 — Monatlich
Laufende Abrechnung
Upgrid stellt die LEG-Rechnung. Der Netzbetreiber stellt separat die Netznutzungsrechnung — mit dem Netzrabatt bereits eingerechnet. Du zahlst wie gewohnt, sparst automatisch.
Zwei Rechnungen statt einer — das musst du wissen
Das ist der Punkt, der viele überrascht: Eine LEG ändert nicht, wer deine Netzrechnung schickt. Du bleibst Kundin oder Kunde deines Netzbetreibers. Was sich ändert: Es kommt eine zweite Rechnung dazu — von Upgrid — für den Solarstrom aus der Gemeinschaft.
Wichtiger Unterschied
Dein Netzbetreiber rechnet Netznutzung, Messung und Reststrombedarf ab. Upgrid rechnet den LEG-Solarstrom ab. Beide zusammen ergeben deine tatsächliche Stromrechnung. Im Netto zahlst du weniger als vorher — weil der Netzrabatt und der günstigere LEG-Preis die Differenz mehr als ausgleichen.
Was der Netzrabatt in echten Franken bedeutet
40% Netzrabatt klingt gut. Aber 40% von was? Das wird selten erklärt — und kann verwirrend sein, wenn man sich die einzelnen Posten der Stromrechnung anschaut. Hier ist es konkret.
Der Rabatt gilt ausschliesslich auf die Netznutzungsgebühr — und nur auf den Anteil des Stroms, den du tatsächlich aus der LEG beziehst. Nicht auf die Energiekomponente, nicht auf Abgaben, nicht auf Swissgrid-Entgelte. Nur auf den Netzanteil des lokalen Stroms. Laut ElCom-Tarifdaten 2026 liegt die Netzkomponente im Schweizer Median bei 10.75 Rp./kWh.
💡 Deine LEG-Rechnung — interaktiv
Wähle ein Szenario und sieh, wie sich die Rechnung zusammensetzt. Basierend auf ElCom-Medianen 2026 (H4, 4'500 kWh/Jahr).
CHF 101 gespart gegenüber bisheriger Rechnung (ohne LEG: CHF 1’212)
Quellen: ElCom Medianwerte 2026 (Energietarif 12.11 Rp./kWh, Netztarif 10.75 Rp./kWh). LEG-Preis angenommen zwischen Feed-in und Nettarif. Netzrabatt 40% auf LEG-Anteil gemäss StromVV Art. 19h. Individuelle Werte variieren je nach Netzbetreiber und Produktionsanteil.
Was passiert, wenn die Sonne nicht scheint?
Die Frage stellt sich jede und jeder. Zu Recht.
Eine LEG ist kein Inselnetz. Du bist und bleibst am öffentlichen Stromnetz angeschlossen. Wenn deine Gemeinschaft gerade keinen Solarstrom produziert — nachts, bei Regen, im Winter — beziehst du automatisch Netzstrom vom Netzbetreiber. Zum regulären Tarif. Ohne Unterbruch, ohne Umstellen, ohne dass du etwas tun musst.
“Die Sonne liefert die Einsparung. Das Netz liefert die Sicherheit. Beides gleichzeitig.”
Wie viel Solarstrom deckst du ab?
Verschiebe den Regler und sieh, wie sich deine Einsparung verändert — je nach Produktionsanteil deiner Gemeinschaft.
Basis: 4'500 kWh/Jahr. LEG-Preis angenommen bei ~10.5 Rp./kWh inkl. Netzrabatt. Regulärer Netztarif 27.7 Rp./kWh (ElCom-Median 2026). Individuelle Werte variieren je nach Gemeinschaft und Netzbetreiber. Hinweis: Die Einsparung wird hier als Differenz zwischen LEG-Preis und Gesamttarif vereinfacht dargestellt — in der Praxis setzen sie sich aus günstigerer Energiekomponente und Netzrabatt zusammen und variieren je Betreiber.
Wer verwaltet was — und wer ist für was verantwortlich?
In einer LEG gibt es mehrere Akteure. Damit es nicht verwirrend wird, hier die klare Aufteilung:
Aufgabe
Netzbetreiber
Upgrid (LEG-Operator)
Netzanschluss & Versorgungssicherheit
✓
–
Smart Meter Installation & Betrieb
✓
–
Rechnung für Netznutzung & Reststrom
✓
–
Netzrabatt (40% / 20%) berechnen
✓
–
Solarstrom-Zuordnung in 15-Min-Intervallen
–
✓
LEG-Rechnung stellen
–
✓
Produzentenvergütung auszahlen
–
✓
Teilnehmerliste & Neumitglieder
–
✓
Als Mitglied einer Upgrid-LEG musst du dich um nichts davon kümmern. Das ist der Punkt. Du erhältst zwei Rechnungen — und die Gesamtsumme ist kleiner als vorher. Wie sich die LEG von anderen Gemeinschaftsmodellen wie ZEV oder VZEV unterscheidet, zeigt unser detaillierter Vergleich von ZEV, LEG und VZEV.
40% oder 20% Netzrabatt — wovon hängt es ab?
Nicht jede Gemeinschaft erhält 40%. Der Rabatt hängt von der Netztopologie ab — also davon, über wie viele Transformatorstationen der Strom innerhalb der LEG fliesst.
Die Regel
40% Rabatt: Alle Teilnehmenden sind an der gleichen Transformatorstation angeschlossen — der Strom fliesst nur auf einer Netzebene.
20% Rabatt: Mehrere Transformatorstationen sind beteiligt — der Strom überquert eine Netzebene mehr.
Wichtig für dich
Du musst das nicht selbst herausfinden. Upgrid prüft die Netztopologie vor der Anmeldung und kommuniziert klar, welcher Rabatt für deine Gemeinschaft gilt. Viele Gebäude in städtischen Lagen erhalten 40% — weil Nachbarn oft an der gleichen Station hängen.
20%
Netznutzungsrabatt mindestens — auch bei ungünstiger Netztopologie. Das Gesetz garantiert diesen Mindestsatz. Swissolar setzt sich für eine Erhöhung auf bis zu 60% ein — politisch ist das noch offen.
Die häufigsten Fragen — beantwortet
Nein. Du bleibst Kundin oder Kunde deines Netzbetreibers. Dein Vertrag ändert sich nicht. Du erhältst zusätzlich Solarstrom aus der LEG — als Ergänzung, nicht als Ersatz. Das ist gesetzlich so geregelt: LEG-Teilnehmende sind und bleiben Kunden des Verteilnetzbetreibers.
Überschüssige Energie, die die Gemeinschaft nicht verbraucht, wird ins öffentliche Netz eingespeist und vom Netzbetreiber vergütet — zum geltenden Referenzmarktpreis, ab 2026 mit Minimalvergütungsschutz (ab 6 Rp./kWh für Anlagen unter 30 kW). Für Produzenten in deiner LEG bedeutet das: Sie verdienen in jedem Fall — entweder besser durch den LEG-Preis oder zum Referenzmarktpreis bei Überschuss.
Proportional zum Verbrauch in 15-Minuten-Intervallen. Der Smart Meter misst kontinuierlich, wie viel Strom jedes Mitglied in jedem Viertelstunden-Slot verbraucht. Der verfügbare Solarstrom wird in diesem Verhältnis aufgeteilt. Wer in einem Slot mehr verbraucht, erhält einen grösseren Anteil des produzierten Solarstroms. Die Aufteilung ist transparent und automatisiert — kein manuelles Eingreifen nötig.
Ja. Du kannst austreten, musst aber mindestens 3 Monate im Voraus kündigen — und der Austritt ist nur auf den ersten eines Monats möglich. Die LEG selbst bleibt für die anderen Mitglieder bestehen. Wenn du austrittst, kehren deine Verbrauchsdaten einfach komplett zum Netzbetreiber zurück. Keine Komplikationen, keine Strafen.
Für den Beitritt als Verbraucher: Nein. Du bist Vertragspartnerin oder Vertragspartner des Netzbetreibers — nicht dein Vermieter. Der Beitritt zu einer LEG ist dein persönliches Recht als Elektrizitätskunde. Du brauchst dafür weder Erlaubnis noch Information deines Vermieters. Das ist einer der wichtigsten Aspekte des neuen Gesetzes: Mieter haben volle Entscheidungsfreiheit.
Nach dem ersten vollen Abrechnungsmonat. Bei Aktivierung am 1. April kommt die erste Rechnung Anfang Mai — für April. Upgrid stellt die Rechnung separat von deiner Netzrechnung. Beide Rechnungen zusammen ergeben deine Gesamtbelastung — die niedriger ist als dein bisheriger Nettarif allein.
Was das in der Praxis bedeutet — ein Beispiel
Nehmen wir eine 4-köpfige Familie in Baar (Kanton Zug), 5-Zimmer-Wohnung, Jahresverbrauch rund 5'500 kWh. Sie sind Teil einer LEG mit 12 Haushalten, einem Produzenten mit 15-kW-Anlage auf dem Dach desselben Gebäudes. Alle hängen an der gleichen Transformatorstation: 40% Netzrabatt.
Bisherige JahresrechnungVollständiger Nettarif, kein LEG
CHF 1'524
Solaranteil aus LEG~35% des Jahresverbrauchs, 1'925 kWh
−CHF 84
Netzrabatt auf LEG-Anteil40% auf Netzkomponente für 1'925 kWh
−CHF 83
Reststrom Netz3'575 kWh zum Normaltarif
CHF 990
Neue Jahresrechnung
CHF 1'357
CHF 167 gespart im Jahr — ohne Panels, ohne Kündigung, ohne Umstellen
Beispielrechnung. Basis: Zug Netztarif 23.01 Rp./kWh (ElCom-Median 2026), Netzkomponente 10.75 Rp./kWh (CH-Median). LEG-Strompreis angenommen bei ~10 Rp./kWh. Individuelle Einsparungen hängen von Netzbetreiber, Produktionsanteil und konkreter Netztopologie ab.
Was jetzt kommt — für die LEG-Bewegung in der Schweiz
April 2026 ist kein Ende. Es ist ein Anfang. Die ersten Gemeinschaften, die jetzt starten, sind Pionierinnen und Pioniere — ihre Abrechnungsdaten, ihre Erfahrungen, ihre Fragen formen, wie das System für alle danach aussehen wird.
Swissolar setzt sich politisch dafür ein, den maximalen gesetzlich möglichen Netzrabatt von 60% auszuschöpfen — aktuell sind es 40% bzw. 20%. Für Solarproduzenten bedeutet die LEG zudem deutlich höhere Einnahmen als die Einspeisevergütung. Je mehr LEGs aktiv sind, je mehr Daten zeigen, dass lokaler Verbrauch das Netz entlastet, desto stärker wird das Argument. Jede Gemeinschaft, die jetzt startet, macht die nächste einfacher.
Was du als Nächstes tun kannst
Du bist bereits registriert? Upgrid informiert dich direkt über den Aktivierungszeitpunkt und die erste Rechnung — kein Nachfassen nötig.
Du bist noch nicht registriert? Die Anmeldung ist offen. Wer sich jetzt anmeldet, kann frühestens im Juli 2026 starten. Berechne deine Einsparungen in 30 Sekunden — Link unten.
Bereit, wenn die Sonne über deinem Quartier scheint?
Berechne in 30 Sekunden, wie viel deine Gemeinschaft sparen kann. Kein Anruf. Keine Beratung. Nur die Zahlen.