Deine Postleitzahl.
Dein Strompreis.
Warum der Unterschied 4,5× beträgt.
Die Schweiz hat 590 Netzbetreiber und keinen freien Markt für Haushalte. Nachbarn in verschiedenen Gemeinden zahlen 9,64 Rp. oder 43,61 Rp. für exakt dieselbe Kilowattstunde. Hier ist die vollständige Karte — und warum 2026 die Rechnung verändert.
Bevor du deine Gemeinde nachschlägst: Die Karte, die du gleich siehst, ist keine technische Kuriosität. Sie zeigt einen Markt, der nie auf Fairness ausgelegt war. Jede eingefärbte Fläche repräsentiert ein Monopol. Je dunkler die Farbe, desto mehr verlangt dieses Monopol.
Beginne mit der Zahl, die alle aufhorchen lässt: Die günstigste Gemeinde der Schweiz zahlt 9,64 Rp./kWh. Die teuerste zahlt 43,61 Rp./kWh. Beides sind Schweizer Haushalte. Beide sind mit demselben nationalen Übertragungsnetz von Swissgrid verbunden. Der Unterschied liegt einzig daran, unter welchem lokalen Betreiber dein Gebäude zufällig liegt — eine Entscheidung, die vor Jahrzehnten getroffen wurde und die du nie hinterfragen durftest.
Warum bestimmt deine Postleitzahl deinen Strompreis?
Der Schweizer Strommarkt wurde in einer Ära vor Solar, vor digitaler Zählung und bevor sich jemand vorstellen konnte, dass ein Haushalt wählen möchte, woher seine Energie kommt, konzipiert. Das Elektrizitätsversorgungsgesetz (ElG) weist jedem geografischen Gebiet einen einzigen Verteilnetzbetreiber zu. Dieser Betreiber legt die Tarife für alle Haushalte in seinem Gebiet fest. Haushalte können nicht wechseln.
Der Tarif besteht aus drei Hauptkomponenten: Energie (was der Betreiber für den Einkauf oder die Produktion von Strom zahlt), Netznutzung (die Kosten der lokalen Infrastruktur) und Abgaben (nationale Gebühren, Gemeindeabgaben, der eidgenössische Netzzuschlag). Wir entschlüsseln jede Position auf deiner Stromrechnung in einem separaten Guide. Jede dieser Komponenten variiert je nach Betreiber basierend auf seiner Beschaffungsstrategie, dem Alter der Infrastruktur, der Eigentümerstruktur und lokalpolitischen Entscheidungen darüber, wie viel Gewinn das Werk an die Gemeinde zurückführen soll.
Das Ergebnis: Zwei Haushalte, 2 Kilometer voneinander entfernt, auf beiden Seiten einer Kantonsgrenze, können Stromrechnungen haben, die sich bei exakt gleichem Verbrauch um Hunderte Franken pro Jahr unterscheiden. Die ElCom überwacht dies, publiziert die Daten und kann eingreifen, wenn Preise «ungerechtfertigt hoch» sind — aber die Schwelle für ein Eingreifen ist hoch und Reduktionen werden selten erzwungen.
«Die Schweiz hat eine Weltklasse-Infrastruktur und einen regulatorischen Rahmen, der Haushalte aktiv daran hindert, davon wettbewerbsfähig zu profitieren.»
Die Extreme: 9,64 Rp. vs 43,61 Rp. im selben Land
Zwischenbergen im Oberwallis profitiert vom direkten Zugang zu Wasserkraft, die wenige Kilometer talaufwärts erzeugt wird. Ihr Betreiber hat tiefe Netzkosten, günstige lokale Produktion und eine kleine, aber autarke Versorgungsstruktur. Am anderen Ende wird Kestenholz im Kanton Solothurn (43,61 Rp./kWh) von einem kleinen Betreiber mit alternder Infrastruktur, Beschaffungsverträgen zu Spitzenpreisen von 2022 und einer begrenzten Kundenbasis versorgt, auf die sich die Fixkosten verteilen.
Keiner der beiden Haushalte hat etwas getan, um seinen Preis zu verdienen. Er wurde durch die Geografie bestimmt.
Das Kantonsbild: Nidwalden und Zug am günstigsten, Bern am variabelsten
Auf Kantonsebene sind Nidwalden und Zug die günstigsten in der Schweiz — beide profitieren von günstigem Wasserkraft-Zugang. Kantone mit hohem Anteil an Wasser- oder Kernkraft in ihrem lokalen Netz haben tendenziell tiefere und stabilere Tarife. Städtische Kantone wie Genf und Basel-Stadt liegen im Mittelfeld. Der volatilste Kanton ist Bern, der die grösste Anzahl unabhängiger kleiner Betreiber hat und daher die breiteste Preisspanne innerhalb einer einzigen politischen Einheit aufweist.
Was die LEG 2026 bedeutet, wenn du in einer teuren Gemeinde wohnst
Das LEG-Modell ändert weder deinen Netzbetreiber noch deinen Grundtarif. Was es tut: Es fügt eine Option hinzu, die vorher nicht existierte — du kannst jetzt einen Teil deines Stroms von einem lokalen Solarproduzenten zu einem innerhalb der Gemeinschaft ausgehandelten Preis beziehen — immer tiefer als der Standard-Netztarif.
In einer teuren Gemeinde spielt das eine grössere Rolle. Eine Ersparnis von 2 Rp./kWh beim nationalen Median spart dir CHF 90/Jahr bei 4’500 kWh. Dieselbe Ersparnis von 2 Rp./kWh in einer Gemeinde, in der du 40 Rp./kWh zahlst, ist derselbe absolute Betrag — aber er repräsentiert eine 5%-Reduktion auf einer viel höheren Rechnung. Und mit wachsenden Gemeinschaften, die mehr deines Verbrauchs abdecken, gilt diese 2 Rp. Ersparnis für einen immer grösseren Anteil deines Jahresverbrauchs. Berechne deine genaue Ersparnis basierend auf deinem Verbrauch.
Für Produzenten in teuren Gemeinden ist der Anreiz noch stärker. Lokal zu 25 Rp./kWh zu verkaufen statt ~7 Rp./kWh Einspeisevergütung zu erhalten, macht eine unwirtschaftlich erscheinende Investition zu einer überzeugenden. Das bedeutet mehr installierte Panels. Mehr Gemeinschaftsangebot. Mehr Konsumenten, die weniger zahlen.